Inspektion von Klettersteigen (Via Ferrata)

Klettersteige, auch Eisenwege oder versicherte Steige genannt, gibt es seit über 150 Jahren. Ursprünglich dienten sie der touristischen Erschließung von Berggipfeln, die ansonsten für normale Wanderer kaum erreichbar gewesen wären.

Seit ungefähr 20 Jahren gibt es – zusätzlich zu diesen hochalpinen gesicherten Wegen – Sportklettersteige, bei denen die Schwierigkeit im Vordergrund steht.

Damit explodierten auch die Nutzerzahlen in ungeahnte Höhen. Es gibt Steige, die 5-stellige Begehungen verzeichnen. Damit treten auch neue Probleme für Halter auf. Jetzt braucht es vermehrt Spezialwissen über Übermüdungsbrüche und versteckte Schadstellen.

Seit 2017 gibt es eine eigene Euronorm für Klettersteige, die EN 16869.

F.A.Q.

Häufig gestellte Fragen für Klettersteige

  • Vorgeschrieben laut EN 16869
    Die Norm fordert: „Inspektionen müssen regelmäßig (mindestens einmal im Jahr, normalerweise zu Beginn der Betriebssaison sowie im Falle eines Unfalls) von einer qualifizierten Person ausgeführt werden.“ Es ist hier nicht explizit vorgeschrieben, dass dies eine externe Stelle sein sollte. Auch eine interne Person, die mit Drahtseilkunde, Ermüdungsbrüchen und generell mit dem Inspektionsgeschehen vertraut ist, kann sie durchführen. Gerne unterstützen wir Sie dabei, Ihr internes Personal weiterzubilden, oder übernehmen die Inspektion für Sie.
  • Steigende Besucherzahlen und anderes Nutzerverhalten
    Angesicht der steigenden Besucherzahlen steigt die Abnutzung automatisch und mögliche Schwachstellen treten rascher auf. Während ein Seil früher Jahrzehnte verwendet werden konnte, kann es jetzt sein, dass die Ablegereife schon innerhalb weniger Jahre erreicht ist. Durch das geänderte Nutzerverhalten des Befahrens oder Stürzen in die Stahlseile erhöht sich die Relevanz einer professionellen Inspektion.
  • Tendenz zu Klagen und Reduktion der Selbstverantwortung
    Wir stehen dieser Entwicklung selbst skeptisch gegenüber, aber wollen sie dennoch ansprechen: Immer mehr Menschen entscheiden sich nach einem Unfall für den Rechtsweg und klagen den Halter / Betreiber. Im Hochseilgartenbereich ist das mittlerweile leider Praxis und sofern sich der Trend fortsetzt, wird es auch die Klettersteige erreichen. Deshalb ist eine gut dokumentierte Inspektion von einem Experten eine sinnvolle Investition. So kann man Schwachstellen frühzeitig erkennen, beheben und alles professionell dokumentieren. Das zeigt Gewissenhaftigkeit und senkt die Unfallgefahr.

Üblicherweise erfolgt die Kontaktaufnahme per E-Mail oder Telefon. Wir klären vorab die Rahmenbedingungen, Besonderheiten und gegebenenfalls erste Fragen. Nachdem wir uns über Umfang und Preis einig sind, vereinbaren wir einen Termin für die Inspektion.

Bei der Inspektion vor Ort begehen wir den Steig und dokumentieren die gefundenen Mängel, potenzielle zukünftige Schwachstellen und Hinweise für die operative Wartung. Je nach Wunsch werden die Mängel vor Ort noch besprochen. Manche Halter / Instandhalter möchten gerne bei der Inspektion dabei sein, das ist bitte vorab anzukündigen. In diesem Fall begehen wir den Klettersteig zweimal, einmal ohne Begleitung mit voller Konzentration auf die Anlage und einmal einer Person Ihrer Organisation. Hier können Fragen gestellt und Hinweise gegeben werden.

Folgende Punkte werden beispielsweise inspiziert:

  • Drahtbrüche – auch an versteckten Stellen
  • Verankerungen im Fels
  • Funktionstüchtigkeit von Backups
  • Verwendung der passenden Klemmen und Halterungen
  • Dauerbiegbelastung an Stellen, in die oft gestürzt wird
  • Maximal Abstände zwischen den Befestigungen

 

Anschließend wird ein Bericht verfasst, in dem die schweren (Behebung vor der nächsten Nutzung) und leichten (Behebung innerhalb eines gewissen Zeitfensters) Mängel sowie Hinweise für die operative Wartung angeführt werden. Zusätzlich bekommen Sie ein Dokument, in der Sie die Behebung der Mängel festhalten können.

Grundsätzlich jeder, der sich für „sachkundig“ hält. Die Sachkunde ergibt sich aus den Anforderungen der Inspektion: Spezielle Drahtseilkunde, insbesondere Ermüdungsbrüche, Wissen über mögliche versteckte Schadstellen usw.

Nein. Es obliegt dem Hersteller, die Normkonformität zu deklarieren und dem Auftraggeber, wie er sie feststellt. Hier kann im Zweifelsfall ein externes Gutachten helfen.

Diese wichtige Unterscheidung ist leider in der Norm nur mit einem Nebensatz erwähnt:

„3.1 Klettersteig

…Anmerkung 1 zum Begriff: Das reine Vorhandensein eines Drahtseils auf einem Bergweg bedeutet nicht, dass es sich hier um einen Klettersteig handelt (z. B. Hörnligrat am Matterhorn).“

Es ist empfehlenswert, bei einem Steig zu deklarieren, worum es sich handelt. Ansonsten müssen die Anforderungen an einen Klettersteig gemäß Norm EN 16869 erfüllt werden – von Beschilderungen bis zu genauen Abständen. Dies ist bei vielen alpinen Wegen mit Drahtseilsicherung nicht gegeben.

Vor allem spezielle Drahtseilkunde mit dem Schwerpunkt auf Ermüdungsbrüche sollten in der Ausbildung zur Kontrolle von Klettersteigen eindeutig mehr Platz haben.

Für viele Bergführer und Funktionäre von alpinen Vereinen ist es schwer vorstellbar, dass ein daumendickes Stahlseil mit -zig Tonnen Bruchlast bei vielfacher Benützung durch Körpergewicht brechen kann.

Zu kurz kommt zudem die Einschätzung der Festigkeit von Gestein, weil auf die im Fels sitzenden Verankerungen erhebliche Kräfte einwirken.

Feedback vom Kunden: "Für uns ist Sicherheit oberste Priorität – Wir betreiben nachhaltige Sicherheitsforschung: Bauteile sollen verwendet werden, solange sie sicher ihren Zweck erfüllen und sicher verwendet werden können."

5 gute Gründe, einen SIG-Inspektor für die Besichtigung des Klettersteigs zu beauftragen

  • Federführend im Aufdecken spezifischer Probleme – wir forschen gemeinsam mit alpinen Vereinen an den spezifischen Problemen von Klettersteigen und ihren Ursachen, um die Sicherheit zu erhöhen.
  • Entlastung der alpinen Vereine – wir bringen Spezialwissen und langjährige Erfahrung mit Stahlseilen und deren Schwachstellen mit, wodurch die alpinen Vereine und ihre aktiven Mitglieder in ihrer Haftung entlastet werden.
  • Zeitliche Flexibilität & „da, wo Not am Manne ist“ – wir schaffen es meistens, Ihren Wunschtermin möglich zu machen. Und wenn es mal brenzlich wird, sind wir zeitnahe vor Ort.
  • Starke Vernetzung untereinander & aktive Forschung – wir stehen international und branchenübergreifend im regen Austausch mit Expertenkreisen (z.B. SISKA, ISA, FISAT und andere)
  • Spezialfragen gleich vor Ort klären oder in unserem eigenen Labor testen – wir können die meisten Wissensthemen selber abdecken und bei Bedarf im Labor genauer untersuchen.

Spezialwissen wird für Klettersteige immer wichtiger

Spezialwissen wird für Klettersteige immer wichtiger

Klettersteige sind einer dynamischen Entwicklung unterworfen – eine Trendwende ist noch nicht abzusehen. Aus anderen Branchen weiß man, dass mit einer Etablierung als Breitensport auch die Anforderungen an die Halter und Inspektoren wachsen. Wir von der SIG sind uns dieser Entwicklung bewusst und unterstützen Sie gerne mit unserem Know-how:

  • Auftreten von Ermüdungsbrüchen frühzeitig erkennen
    Durch Dauerbiegung mit Körpergewicht können daumendicke Stahlseile brechen, die mehr als 10 Tonnen Bruchlast haben. Zusätzlich treten Drahtbrüche unter Klemmen auf, wo man die Gefahr nicht sieht. Auch die Befestigungsstangen können durch dauerndes Hin- und Herbiegen brechen. Deswegen ist hier Spezialwissen zum Thema Dauerfestigkeit und Ermüdungsbrüche notwendig, das in konventionellen alpinen Ausbildungen nicht vermittelt wird.
  • Anderes Nutzerverhalten einkalkulieren
    Früher begingen Bergsteiger Klettersteige, die das Stahlseil nur als zusätzliche Absicherung, aber nicht als Sportgerät betrachteten. Heute nutzen auch Personen ohne Bergsteigerfahrung den Klettersteig als Freizeitaktivität – für sie gehört es dazu, ins Stahlseil zu stürzen oder am Stahlseil entlangzufahren (nicht nur in Seilrutschen). Dadurch ergeben sich neue Anforderungen, die wir aufzeigen. Gemeinsam mit dem Halter können wir so entsprechende Wartungsschritte entwickeln.
  • Breites Wissen über Normen
    Normkonformität spielt im Bau und Instandhaltung eines Klettersteigs eine tragende Rolle. Es reicht heute nicht mehr, nur eine Norm zu kennen. Mit unserem breiten Normenwissen unterstützen wir die Halter von Klettersteigen.

Persönliches Anliegen

  • Wir sind selbst begeisterte Klettersteigbegeher und es ist uns ein persönliches Anliegen, dass Klettersteige weiterhin gut gebaut, betrieben und gewartet werden.

Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch einer Jahresinspektion oder eines Gutachtens für Ihren Klettersteig